Vom Butz bis zum Stingel: Wie Völkermarkter Schüler Lebensmittelreste neu auftischen
In der Lehrküche der Mittelschule Völkermarkt wurde geschnippelt, gerührt und ausprobiert. Bei einem Projekttag gegen Lebensmittelverschwendung zeigte die Schulgruppe, was in vermeintlichen Resten noch stecken kann. Fixe Rezepte gab es nicht – dafür viele Ideen und den Mut, einfach einmal zu kosten.
Begleitet wurde der Projekttag von Elke Schlederer-Oberhauser, der Gründerin von „Best of the Rest“. Unter dem Motto „Vom Butz bis zum Stingel“ kamen Schalen, Blätter und andere Teile auf den Tisch, die sonst schnell im Abfall landen würden.
Von Radieschenblättern bis Apfelschalen
Aus Radieschenblättern entstand eine Suppe. Orientalische Karotten wurden mit Karottengrünpesto serviert. Die Kartoffeln wanderten ins Rohr, ihre Schalen wurden zu Chips. Auch Altgebäck bekam eine zweite Runde als Brotchips.
Auf der süßen Seite standen Apfelcrumble und Apfelschalentee. Dazu kamen selbstgemachter Frischkäse und ein Molke-Apfeldrink. Die Teilnehmenden erhielten außerdem Tipps zur Herstellung von Apfelessig. Zitronenschalen wurden nicht gekocht, sondern zum Putzen verwendet – praktisch, und der frische Duft war gleich inklusive.
Die Schülerinnen und Schüler stellten fest, dass Schalen, Blätter und andere Lebensmittelreste vielseitig nutzbar sind und noch wertvolle Zutaten enthalten. Der Dank der Schulgruppe ging an Elke Schlederer-Oberhauser für ihre Tipps und Inspirationen sowie an „Loop it“ für die Unterstützung.
Viele Abfälle entstehen zu Hause
Wie groß das Problem ist, zeigen Zahlen aus Deutschland: Für 2022 meldete das Umweltbundesamt der EU-Kommission rund 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle in Frischmasse. Darin enthalten sind vermeidbare Abfälle wie Speisereste und nicht verkaufte Lebensmittel ebenso wie nicht essbare Bestandteile – etwa Schalen, Strünke, Blätter, Kaffeesatz und Knochen – sowie weitere Verluste entlang der Produktions- und Lebensmittelkette.
Den größten Anteil verursachen private Haushalte: 58 Prozent beziehungsweise 6,3 Millionen Tonnen. Auf die Außer-Haus-Verpflegung entfielen 18 Prozent beziehungsweise 2 Millionen Tonnen, auf die Verarbeitung in Handwerk und Industrie 15 Prozent beziehungsweise 1,6 Millionen Tonnen. Der Handel kam auf 7 Prozent beziehungsweise 0,8 Millionen Tonnen, die Primärproduktion auf 2 Prozent beziehungsweise 0,2 Millionen Tonnen.
Pro Person und Jahr werden in privaten Haushalten durchschnittlich 74,5 Kilogramm Lebensmittel weggeworfen. Überschüssige oder verdorbene Lebensmittel, die in der Primärproduktion betriebsintern etwa als Tierfutter oder in Biogasanlagen verwendet werden, sind in diesen Zahlen nicht berücksichtigt.
Wie die Zahlen erhoben werden
Die Reduzierung der Lebensmittelabfälle erfolgt im Rahmen der Nationalen Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung. Einbezogen werden sollen Unternehmen, Akteure entlang der Lieferkette und private Haushalte. Auch eine nachhaltige Ernährungsumgebung im Handel und in der Außer-Haus-Verpflegung soll entsprechendes Verhalten unterstützen.
Grundlage der Berichtspflicht ist die europäische Abfallrahmenrichtlinie. Die EU-Mitgliedstaaten erheben Lebensmittelabfälle seit 2020 jährlich und müssen die Daten innerhalb von 18 Monaten nach Ende des Berichtsjahres an Eurostat übermitteln. In Deutschland sind das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt für Erhebung und Übermittlung zuständig, das BMLEH begleitet den Prozess.
Die deutsche Methodik setzt bei der Entsorgung an, nutzt amtliche jährliche Abfallstatistiken und verwendet berechnete Abfallkoeffizienten, um Nicht-Lebensmittelabfälle herauszurechnen. Ergänzende Sortieranalysen und weitere Quellen bestimmten zunächst für 2020 den Anteil der Lebensmittelabfälle an den Gesamtabfällen. Dabei wurden auch kompostierte Lebensmittelabfälle privater Haushalte berücksichtigt.
Nicht erfasst werden etwa Verluste vor und während der Ernte oder Schlachtung, weil sie rechtlich nicht als Lebensmittelabfälle gelten. Eine umfassende Erhebung, etwa durch Sortieranalysen, findet alle vier Jahre statt. In den Zwischenjahren werden anhand derselben Abfallkoeffizienten nur Veränderungen beim Abfallaufkommen der relevanten Abfallarten berücksichtigt. So lassen sich Zeitreihen, Summen und Jahresvergleiche bilden – während in Völkermarkt aus einer Karottenspitze schon das nächste Pesto wartet.
