Kindergesundheitstage in Wien: Kostenlose Checks treffen auf digitale Werbung für ungesunde Lebensmittel
In Wien-Favoriten dreht sich heute und morgen alles um die Gesundheit der Jüngsten: Am Freitag, 6. November, und Samstag, 7. November 2026, finden erstmals die Kindergesundheitstage im CAPE 10 statt. Auf rund 5.000 Quadratmetern warten kostenlose Untersuchungen, Beratungen, Vorträge sowie mehr als 15 Mitmach- und Erlebnisstationen auf Familien mit Kindern von 0 bis 14 Jahren.
Das Praktische: Für die Gesundheits-Checks ist kein Termin nötig. Medizinisches Fachpersonal, unterstützt von der Medizinischen Universität Wien, prüft unter anderem Seh- und Hörvermögen, Zahngesundheit, Körperwachstum und Bewegungsapparat. Direkt danach bekommen Eltern eine Auswertung per Ampelsystem: Grün steht für einen unauffälligen Befund, Gelb oder Rot für weiteren Abklärungsbedarf. Die Checks ersetzen keinen Besuch bei einem Kinder- oder Facharzt, können aber Hinweise auf mögliche gesundheitliche Probleme und Handlungsbedarf geben.
Vom Teddybärkrankenhaus bis zur Giraffe
Für die Kinder soll es nicht nach Ordination riechen oder sich nach Warten anfühlen. Begehbare Modelle eines Auges, des Gehirns und von Schlafphasen machen medizinische Themen greifbar. Im Rettungswagen des Roten Kreuzes gibt es Einblicke in den Einsatzalltag, im Teddybärkrankenhaus werden mitgebrachte Kuscheltiere versorgt. Dazu kommen ein Smoothie-Bike, eine Kinderkochwerkstatt zur gesunden Ernährung und Stationen zu Zahngesundheit, Erster Hilfe, Atmung, Gefühlen und psychischer Gesundheit.
An einer MRT-Station erklärt „Giraffe Gerda“, wie eine Untersuchung abläuft. ORF KiDS bringt ein Spaßrad mit, außerdem ist ein Treffen mit dem Songcontest-Maskottchen Auri angekündigt. Die Stationen vermitteln Gesundheitsthemen spielerisch und mit verschiedenen Sinnen – also anfassen, ausprobieren, schauen und zwischendurch wahrscheinlich auch ordentlich herumwuseln.
Eltern können kostenlose Vorträge zu Impfungen, kindlicher Entwicklung, Bewegung, Ernährung und ärztlicher Hilfe bei kranken Kindern besuchen. Mehrsprachige Impulsvorträge und Beratungen gibt es auf Deutsch, Arabisch und Türkisch; am Samstag werden mehrere Vorträge auch auf Türkisch und Arabisch angeboten. Die Arbeiterkammer Wien informiert über Sozialversicherung und arbeitsrechtliche Fragen, etwa über Elternrechte, wenn ein Kind erkrankt. Familienprogramm, Gastronomie, Goodies und Gewinnspiele ergänzen das Angebot.
Impfpasskontrolle und Gesundheits-Check für Erwachsene
Im Außenbereich steht ein Health Mobil für Erwachsene. Dort lassen sich unter anderem Blutdruck und Puls messen, außerdem wird das Herz-Kreislauf-Risiko anhand eines Lipidprofils bestimmt.
Eine Impfstraße bietet kostenlose Impfpasskontrollen, Informationen und Beratung. Angeboten werden unter anderem Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln, HPV, Pneumokokken, Influenza sowie die Sechsfach-Impfung. Impfungen gegen FSME, Hepatitis A und Meningokokken B sind kostenpflichtig. Das Impfangebot gilt nur, solange ausreichend Impfstoff verfügbar ist.
Die Veranstaltung ist barrierefrei zugänglich. Sie läuft heute, Freitag, von 13:00 bis 18:00 Uhr und am Samstag von 09:00 bis 17:00 Uhr. Veranstaltungsort ist das CAPE 10, Alfred-Adler-Straße 1, 1100 Wien. Der Eintritt ist frei. Mit dem Bus 69A oder der Straßenbahn D geht es bis zur Haltestelle Alfred-Adler-Straße. Wer mit U1 oder S-Bahn zum Hauptbahnhof fährt, braucht etwa zehn Minuten zu Fuß. Die Parkgarage Goldbeck Parking Maria-Lassnig-Straße ist rund zwei Gehminuten entfernt. Das Programm steht unter kindergesundheitstage.at; weitere Besuchsinformationen werden auf einer Q&A-Seite angekündigt.
Die offizielle Eröffnung findet heute um 12.30 Uhr im Future Health Lab des CAPE 10 statt. Erwartet werden Gesundheitsministerin Korinna Schumann, Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker, CAPE-10-Initiator Siegfried Meryn und Doris Schmidauer. Unterstützt wird die Veranstaltung von der Wiener Gesundheitsförderung und UNIQA.
Medizinische Qualität und ein kritischer Blick auf Ernährung
Für die inhaltliche Gestaltung und die medizinische Qualität ist ein Board aus österreichischen Kindermediziner:innen verantwortlich. Dazu gehören Dr. Klaus Vavrik, Kinderarzt und Kinderrechtsexperte sowie ehemaliger Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, Univ.-Prof.in DDr.in Caroline Hutter, Leiterin des St. Anna Kinderspitals Wien, Univ.-Prof.in Dr.in Angelika Berger, stellvertretende Klinikleiterin der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde am AKH Wien, Univ.-Prof. Dr. Paul Plener, Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am AKH Wien, sowie Mag. Alexander Preyer von der Landesgeschäftsleitung des Roten Kreuzes Wien. Als weitere beteiligte Kategorien werden Sponsoren, Umsetzungspartner und Medienpartner genannt.
Wie schwierig gesunde Entscheidungen für Kinder im Alltag sein können, zeigt eine Studie des BMASGPK zum digitalen Werbeumfeld. Erstmals wurde in Österreich untersucht, wie stark Kinder und Jugendliche mit Lebensmittelwerbung auf Instagram, YouTube, TikTok und Twitch konfrontiert sind. Über ein Jahr analysierte die Medizinische Universität Wien Werbebeiträge und Produktdarstellungen von 61 großen Lebensmittelmarken in Österreich sowie von reichweitenstarken deutschsprachigen Influencer:innen. Im Mittelpunkt standen auch Inhalte, die für Kinder und Jugendliche schwer oder gar nicht als Werbung erkennbar sind.
Rund die Hälfte der Online-Inhalte von Marken in sozialen Medien richtet sich ausdrücklich an Kinder und Jugendliche. 70 Prozent der dort gezeigten Lebensmittelwerbung betreffen Produkte, die laut österreichischem Nährwertprofil nicht an Kinder beworben werden sollen. Am häufigsten ging es um Schokolade und Süßwaren mit 17 Prozent, Getränke wie Limonaden mit 11 Prozent sowie Fertiggerichte und Convenience-Lebensmittel mit 10 Prozent.
Bei Lebensmitteln in Influencer:innen-Inhalten lag der Anteil nicht geeigneter Produkte je nach Plattform zwischen 57 und 73 Prozent. Schokolade und Süßwaren machten 11 bis 28 Prozent aus, Kuchen, süße Kekse und Gebäck 12 bis 23 Prozent, Fertiggerichte und Convenience-Lebensmittel 9 bis 22 Prozent, Getränke 11 bis 12 Prozent. Auf speziell an Kinder gerichteten YouTube-Kanälen entfielen 28 Prozent der relevanten Lebensmittelinhalte auf Schokolade und Süßwaren. Auf Twitch waren Energy-Drinks mit 44 Prozent die häufigste Produktgruppe.
Verglichen wurden die Inhalte mit den nährwertbezogenen Empfehlungen der Nationalen Ernährungskommission und der WHO. Das österreichische Nährwertprofil ist seit 2021 eine Empfehlung der Nationalen Ernährungskommission des BMASGPK. Es orientiert sich am WHO-Modell und hilft bei der Einstufung von Lebensmitteln sowie bei der Frage, ob sie für Marketing an Kinder geeignet sind. Laut Studie wurde diese Empfehlung in 70 Prozent der relevanten digitalen Werbeinhalte nicht eingehalten.
Ungesunde Lebensmittelwerbung kann das Essverhalten beeinflussen und das Risiko für Adipositas und langfristige Folgeerkrankungen erhöhen. Kinder und Jugendliche gelten online als besonders stark exponierte und beeinflussbare Gruppe. Konkrete österreichische Daten zu an Kinder gerichteter Lebensmittel- und Getränkewerbung sowie zu Werbeeffekten durch Influencer:innen hatten bisher gefehlt.
Die Förderung gesunder Ernährung ist in der Kinder- und Jugendgesundheitsstrategie des BMASGPK verankert. Die Studienergebnisse werden als Hinweis auf Handlungsbedarf eingeordnet: Neben Bewusstseinsbildung, Gesundheitskompetenz und freiwilligen Empfehlungen werden strukturelle Maßnahmen und veränderte Rahmenbedingungen genannt. Als größter Handlungsbedarf gilt eine gesetzliche Regulierung von Lebensmittelwerbung für Kinder und Jugendliche, damit sie im digitalen Raum weniger schädlicher Werbung für ungesunde Lebensmittel ausgesetzt sind. Das soll dazu beitragen, das Ziel „gesunde Ernährung von Kindern und Jugendlichen ermöglichen“ umzusetzen.
