Vom Jagdadel zum Bischof: Wiens Hubertusfest erzählt eine Legende mit Nachhall
Am Sonntag, den 15. November, wird in Wien-Hietzing ab 9:30 Uhr eine Festmesse gefeiert. Anschließend geht es zum Fest am Kirchenplatz – mit Begegnungen, Gesprächen und hoffentlich trockenem Herbstwetter.
Musikalisch begleitet das Bläserorchester die Messe. Kinder sind währenddessen zum Kinderwortgottesdienst, kurz KiWoGo, in den Pfarrsaal eingeladen. Gegen Ende kommen sie wieder zur Festgemeinde zurück.
Vom weltlichen Leben zum Bischof
Im Mittelpunkt steht der heilige Hubertus, der etwa von 655 bis 727 lebte. Der fränkische Adlige führte zunächst ein weltliches Leben. Einer Legende zufolge änderte sich alles während einer Jagd: Vor ihm erschien ein Hirsch, zwischen dessen Geweih ein leuchtendes Kreuz zu sehen war.
Danach widmete Hubertus sein Leben dem Christentum. Er wurde Priester und später Bischof von Lüttich. Als Missionar evangelisierte er in den Ardennen und förderte dort das kirchliche Leben. In der katholischen Kirche wird Hubertus als Heiliger verehrt; er war Bischof von Maastricht und Lüttich.
Sein Weg führte zunächst als Pfalzgraf an den Hof Theuderichs III. in Paris und später an den Hof Pippins des Mittleren in Metz. Nach dem Tod seiner Frau zog er sich als Einsiedler in die Ardennen zurück und wirkte dort als Missionar. 705 wurde er Bischof von Tongern-Maastricht, 716 verlegte er den Bischofssitz nach Lüttich. Dort ließ er die Lambertuskathedrale erbauen und galt als fürsorglicher Wohltäter. Sein Sohn Floribert folgte ihm als Bischof von Lüttich.
Hirsch, Kreuz und eine alte Legende
Der Hirsch mit dem Kruzifix im Geweih ist bis heute Hubertus’ bekanntestes Attribut. Die Hirschvision wird häufig künstlerisch dargestellt. In der ausführlicheren Überlieferung geschah die Erscheinung an einem Karfreitag während der Jagd; je nach Version gab Hubertus danach die Jagd vollständig auf oder wandelte sich vom zügellosen zum gemäßigten Jäger.
Ursprünglich wurde die Geschichte dem heiligen Eustachius zugeschrieben. Ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde sie zunehmend mit Hubertus verbunden. Eine frühe Verbindung findet sich um 1440 bei der Stiftung des Hubertusordens durch Herzog Gerhard II. von Jülich und Berg. Der Orden würdigte Hubertus’ Christianisierung der Ardennen, wo der Diana-Kult noch verbreitet war.
Für christliche Jäger wurde die Legende zum Vorbild für Mäßigung und waidgerechte Jagd. Hubertus gilt deshalb allgemein als Schutzpatron der Jagd, wegen seines legendären Verzichts aber auch als früher Jagdgegner. Motivische Parallelen werden zum Damaskuserlebnis des Paulus gezogen; ältere Ursprünge sieht man zudem in einer buddhistischen Legende über den Mönch Mahinda und König Devanampiya.
Gedenktag und Spuren bis heute
Der Gedenktag des Heiligen ist der 3. November. Regional wird auch sein Todestag am 30. Mai begangen. Hubertus zählt zu den „Vier Marschällen Gottes“ und wird mancherorts den Vierzehn Nothelfern zugerechnet.
Am Hubertustag finden häufig Hubertusjagden und Hubertusmessen statt. In den Jägertruppen der Bundeswehr wird Hubertus als Schutzpatron der Jäger und Schützen verehrt. Weitere Patronate bestehen für Hunde, den Schutz vor Tollwut, Schützen und Schützenbruderschaften, Kürschner, Metzger, Metallbearbeiter, Büchsenmacher, Optiker, Mathematiker und Hersteller mathematischer Geräte.
Mit Hubertus verbunden sind auch zahlreiche Bräuche. Gesegnetes Salz, Brot und Wasser sollten traditionell vor Hundebissen und Tollwut schützen; sogenannte Hubertusschlüssel wurden zur Behandlung und Vorbeugung gegen Tollwut verwendet. Obwohl Hubertus nicht in den evangelischen Namenkalender aufgenommen wurde, kann der Hubertustag wegen seiner traditionellen Bedeutung evangelisch oder ökumenisch gefeiert werden.
Seine Reliquien wurden am 3. November 743 erhoben und 825 in die Abteikirche von Andagium, das heutige Saint-Hubert in den Ardennen, übertragen. Saint-Hubert entwickelte sich im Mittelalter zu einem Wallfahrtsort. Seit der Französischen Revolution gelten die Reliquien als unauffindbar.
Benannt nach Hubertus wurden unter anderem die Hubertuswarte, die Hubertusburg, Schloss Hubertusstock, Hubertuskirchen, der Hubertusorden, Hubertusbrunnen und Hubertusquellen. Dazu kommen das Hubertusviertel in Aachen, mehrere Studentenverbindungen und der Internationale St.-Hubertus-Orden. Das Hubertuskreuz findet sich außerdem in den Logos von Jägermeister, der belgischen Brauerei St Hubertus und der österreichischen Hubertus Bräu.
Wer am 15. November in der Kirche sitzt, bekommt also nicht nur eine Messe mit Bläserklang zu hören, sondern auch eine Geschichte, die von einem fränkischen Adeligen über eine Hirscherscheinung bis in heutige Jagd- und Kirchenbräuche reicht. Und die Kinder stoßen nach ihrem KiWoGo wieder zur Festgemeinde dazu.
