Heute, am 7. November 2026, beginnt um 11:11 Uhr der Vorverkauf für den 127. Concordia Ball. Karten gibt es im Online-Shop unter www.concordiaball.at. Wer sich den Abend vormerken will: Gefeiert wird am 21. Mai 2027 ab 20:00 Uhr im Wiener Rathaus, Lichtenfelsgasse 2, 1010 Wien.

Während die meisten Wiener Bälle im Winter über das Parkett drehen, hebt sich der Concordia Ball traditionell den Mai auf. Schauplatz sind das Rathaus und seine Innenhöfe – mit Walzern in den Festsälen, Musik und Tanz unter freiem Himmel. Dazu kommen Gespräche, wie es beim Ball 2027 ausdrücklich heißt.

Ein Ball mit langer Geschichte

Der Concordia Ball besteht seit 1863 und gilt als ältester Traditionsball Wiens. Veranstaltet wird er vom Presseclub Concordia, dessen Vorgänger, der „Wiener Journalisten- und Schriftstellerverein Concordia“, 1859 gegründet wurde. Heute tritt der Presseclub für freien und unabhängigen Journalismus ein. Der Reinerlös des Balls unterstützt die Arbeit des Vereins.

Am 19. Jänner 1863 veranstaltete die Concordia in den Sofiensälen erstmals einen eigenen Ball. Persönlichkeiten aus Politik, Gesellschaft und Kunst kamen, um Kontakte zwischen der Presse und wichtigen in- und ausländischen Personen zu stärken. Der Ball brachte gesellschaftliche Anerkennung – und Geld für die Concordia. Das Publikum stammte überwiegend aus dem liberalen Bürgertum, nicht aus adeligen Kreisen.

Musikalisch wurde der Abend bald zur klingenden Visitenkarte. Johann Strauß komponierte den „Morgenblätter“-Walzer, der 1864 erstmals am Ball aufgeführt wurde. Jacques Offenbach widmete der Concordia den „Abendblätter“-Walzer, Eduard Strauß leitete meist das Ballorchester. Rund 40 Walzer der Brüder Strauß erlebten bei Concordia-Bällen ihre Uraufführung. Auch Werke von Franz Lehár, Carl Millöcker, Franz von Suppè und Carl Michael Ziehrer wurden dort erstmals gespielt.

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Frauen, Damenspenden und ein neues Zeichen

Frauen waren von Beginn an am Concordia Ball beteiligt. 1900 wurde Marie von Ebner-Eschenbach als erste Frau in den Verein aufgenommen, zunächst als Ehrenmitglied. 1919 beschloss die Concordia die Aufnahme weiblicher Mitglieder. Marie von Ebner-Eschenbach, Elsa Tauber, Elsa Bienenfeld und Alice Schalek gehörten zu jenen Concordia-Mitgliedern, die weiteren Frauen den Weg in Journalismus und Literatur bereiteten.

Der Concordia Ball 2027 soll Journalistinnen, ihre Stimmen und ihre Leistungen würdigen. Das passt zu einer Geschichte, in der Frauen nicht bloß am Rand vorkamen – auch wenn sich Vereinsregeln bekanntlich manchmal langsamer bewegen als eine flotte Polka.

Eine eigene Tradition waren die Damenspenden, die bei den Bällen verteilt und häufig von Künstlern gestaltet wurden. Zum 50. Geburtstag der Concordia im Jahr 1909 entwarfen Josef Hoffmann und Koloman Moser eine Damenspende im Stil der Wiener Werkstätte.

Vom Faschingsball zum Rathausabend

Während der Monarchie entwickelte sich der Concordia Ball zu einem der exklusivsten Bälle Wiens. Zu den regelmäßigen Besuchern zählte Kronprinz Rudolf. Bis 1914 wurde der Ball jährlich veranstaltet; Ausnahmen waren 1889, das Jahr von Kronprinz Rudolfs Freitod, und 1913.

In der Zwischenkriegszeit fand der Ball zwischen 1921 und 1931 elfmal statt. Politisch ausgerichtete Reden von Vertretern des öffentlichen Lebens wurden häufiger, außerdem wechselte der Veranstaltungsort in die Konzerthaussäle. Ein Bericht der „Neuen Freien Presse“ über den ersten Nachkriegsball erwähnte seltener getragene Uniformen, bürgerlicher wirkende hohe Beamte und Funktionäre, besonders viel Tanz und die erstmalige Aufführung von Foxtrott.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie verlor der Ball an Bedeutung. Der letzte Ball vor der endgültigen Unterbrechung fand im Februar 1931 statt und brachte nur noch einen geringeren finanziellen Ertrag. Concordia-Präsident Leopold Lipschütz sprach dort über die Wirtschaftskrise und erklärte, man wolle sich „ein bißchen im Vergessen üben“. Anfang 1932 sagte die Concordia den Ball endgültig ab. Die Wirtschaftslage und die Not großer Bevölkerungsteile machten eine Veranstaltung angesichts von Hunger und Kälte unangemessen. Auch während des Ständestaates wurde der Ball nicht wieder aufgenommen.

Nach dem „Anschluss Österreichs“ lösten die Nationalsozialisten die Concordia 1938 zwangsweise auf und beschlagnahmten ihr Vermögen. Der Presseclub Concordia wurde 1946 wieder aktiviert. 1960 wurde der Ball auf Initiative von Präsident Rudolf Kalmar mit Unterstützung von Vizebürgermeister Hans Mandl wiederbelebt. Seither findet er nicht mehr in der Faschingszeit statt, sondern als Sommerball während der Wiener Festwochen im Wiener Rathaus. Durch den Ortswechsel kamen vermehrt ausländische Gäste.

Unterbrechungen und ein neuer Anlauf

Die Covid-19-Pandemie führte ab 2020 zu mehreren Absagen. Für eine weitere Absage im Jahr 2022 wurden zusätzlich zur Pandemie der kurz zuvor erfolgte russische Einmarsch in die Ukraine genannt. Nach dreijähriger Unterbrechung fand der Concordia Ball im Mai 2023 wieder im Wiener Rathaus statt.

160 Jahre nach dem ersten Ball betonte die Einladung 2023 die anhaltende Bedeutung des freien Journalismus für die Gesellschaft. Die Einnahmen wurden für die juristische Unterstützung von Journalisten durch den Presseclub Concordia verwendet.

Im Mai 2027 soll im Rathaus wieder getanzt werden: drinnen zu Walzerklängen, draußen in den Innenhöfen, dazwischen Gespräche und der eine oder andere Blick auf die Uhr. Der Kartenverkauf startet heute um 11:11 Uhr.