Heute ist der 8.06.2026 und die Lage in der Gastronomie wird immer angespannter. Ein besonders prägnantes Beispiel dafür ist das „Chef’s Bistro“ auf der Favoritenstraße 79 in Wien-Favoriten, das von Zaim Gjura geführt wird. Seit 2020 ist er in der Gastronomie aktiv und übernahm im Jahr 2024 dieses Lokal, das mit 200 Sitzplätzen einen einladenden Raum bot. Im ersten Jahr nach der Übernahme lief alles rund: hohe Umsätze und keine Anzeichen von wirtschaftlichen Problemen. Doch die Freude währte nicht lange.

Ab 2025 begann auf der Favoritenstraße eine große Baustelle, die von den Wiener Linien zur Erneuerung der U-Bahn-Tunnel und des Straßenbelags ins Leben gerufen wurde. Im Zuge der Initiative „Raus aus dem Asphalt“ sollte die Straße in zwei Bauabschnitten neu gestaltet und begrünt werden. Die ersten Arbeiten am Columbusplatz führten dazu, dass Baucontainer vor dem „Chef’s Bistro“ aufgestellt wurden, was viele Kunden abschreckte. Als im Oktober 2025 der große Schanigarten geräumt werden musste, waren die Probleme für Gjura nicht mehr zu verbergen. Der Eingang zum Bistro wurde immer schwerer erreichbar, und besonders in den ersten Monaten des Jahres 2026 musste er schmerzhafte Umsatzeinbußen hinnehmen. Im Januar und Februar verzeichnete er einen Rückgang von 50 Prozent, was ihm fast das Genick brach. Der Umsatz fiel um bis zu 70 Prozent, und das Bistro musste zeitweise schließen.

Finanzielle Belastungen und Unsicherheit

Für Gjura summieren sich die finanziellen Schäden: Rund 250.000 Euro für 2025 und bereits 500.000 Euro für 2026. Während sein Umsatz an einem typischen Samstag im Jahr 2024 bei etwa 3.000 Euro lag, waren es am 30. Mai 2026 nur noch 270 Euro. Die Mitarbeiterzahl reduzierte sich von 16 auf 6. Bei einem monatlichen Mietaufwand von etwa 10.000 Euro für das 240 Quadratmeter große Lokal wird die Zukunft des „Chef’s Bistro“ immer unsicherer. Er hat starke Bedenken, dass sein Betrieb nicht überleben kann. Trotz der massiven Einschränkungen durch die Baustelle wurde ihm keine Mietminderung gewährt, und sogar Drohungen mit Kündigung sind ihm begegnet. Der Fall wird rechtlich geklärt, aber die Baustelle sollte in ein paar Wochen abgeschlossen sein – ob das rechtzeitig für Gjura ist, bleibt fraglich.

Doch er ist nicht der Einzige, der mit solchen Schwierigkeiten kämpft. In den ersten drei Quartalen 2023 gab es in der österreichischen Gastronomie insgesamt 162 Insolvenzen. Die steigenden Kosten und sinkenden Umsätze belasten viele Betriebe. Cornelia Wesenauer von AKV Wien berichtete von einem Trend, der sich in den letzten Jahren verschärft hat. Änderungen im Konsumverhalten der Gäste sind spürbar: weniger Getränke, keine Nachspeisen und die Gäste gehen früher nach Hause. Thomas Peschta, Obmann der Wiener Gastronomie, fordert politische Maßnahmen zur Entlastung bei Energie- und Netzkosten.

Ein Blick in die Branche

Die Situation ist dramatisch. Im Jahr 2025 stiegen die Insolvenzen von Gastronomiebetrieben zum vierten Mal in Folge. Laut Creditreform waren im letzten Jahr mehr als 2.900 Betriebe betroffen – ein alarmierender Höchststand seit 2011. Von den über 11.200 Insolvenzen seit 2020 sind viele kleine, inhabergeführte Betriebe betroffen. Diese kämpfen, während die Zahl der Restaurant- und Barbesuche sinkt und Bestellungen nach Hause zunehmen. Bei knapp 40 Prozent der Unternehmen liegt die Eigenkapitalquote bei weniger als 10 Prozent, und ein Drittel der Betriebe schreibt Verluste.

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Die Gastronomie, die schon stark von der Pandemie und der Inflation getroffen wurde, sieht sich jetzt auch mit steigenden Lohnkosten und explodierenden Preisen für Waren und Energie konfrontiert. Trotz der Senkung der Mehrwertsteuer für Speisen von 19 auf 7 Prozent zu Jahresbeginn, sind die Preise nur leicht gesunken. Für viele ist der finanzielle Druck einfach zu groß. Es bleibt zu hoffen, dass die Baustelle vor dem „Chef’s Bistro“ bald abgeschlossen wird und Zaim Gjura die Chance bekommt, sich zu erholen – denn er schätzt, dass er mindestens 1,5 Jahre benötigen wird, um seinen Betrieb wieder auf die Beine zu stellen.

Ob das „Chef’s Bistro“ und viele andere Betriebe in der Gastronomie die aktuellen Herausforderungen meistern können, bleibt abzuwarten. Die Unsicherheit schwebt wie ein Damoklesschwert über der Branche.

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