Wolfsberg lässt Zukunft der geerbten Villa Rikli für 6000 Euro ausarbeiten
Die Stadt Wolfsberg hat die Villa Rikli in St. Thomas geerbt. Viel Spielraum gibt es bei der künftigen Nutzung allerdings nicht: Laut Testament muss das 1891 errichtete Gebäude sozialen oder kulturellen Zwecken dienen. Nun soll ein Grundlagenkonzept zeigen, wie es mit dem Haus weitergehen kann.
Vererbt wurde die Villa von Margarethe Simak, der Urenkelin des Naturheilkundlers Arnold Rikli. Sie lebte bis zu ihrem Tod im Mai 2021 im Alter von 95 Jahren in dem Gebäude. Nachdem das Mobiliar im Februar 2022 versteigert worden war, wurden die Pläne für eine kulturelle Nutzung konkreter. Die Stadt plant damit einen neuen Anlauf, um den Standort weiterzuentwickeln.
Konzept als nächster Schritt
Der Wolfsberger Gemeinderat beschloss am 15. Oktober einstimmig, ein Grundlagenkonzept erstellen zu lassen. Es soll als Basis für die weitere Entwicklung der Villa und ihres Umfelds dienen. Mit der Ausarbeitung wurde der Autor und Kulturvermittler Werner M. Thelian beauftragt.
Thelian beschäftigt sich seit den 1990er-Jahren mit dem Leben und Wirken Arnold Riklis. Zu seinen bisherigen Arbeiten zählen eine Exkursion nach Bled, ein Fachvortrag zum 120. Todestag Riklis, die Produktion eines Museumsfilms und die erste öffentliche Führung durch die Villa.
Vorgesehen sind eine historische Aufarbeitung, Vorschläge für Vermittlungsangebote und eine digitale Präsentation. Außerdem soll geprüft werden, welche Förderungen möglich sind. Auch eine Informationstafel bei der Villa ist Teil des Auftrags – damit Besucher künftig nicht bloß vor einem verschlossenen oder erklärungsbedürftigen Gebäude stehen.
Das Honorar beträgt 6000 Euro brutto und wird in drei Teilbeträgen zu jeweils 2000 Euro ausgezahlt. Bürgermeister Alexander Radl (SPÖ) erwartet sich vom Konzept realistische Perspektiven, Fördermöglichkeiten und sinnvolle Entwicklungsschritte samt Zeitrahmen. Über weitere Projektphasen und mögliche Investitionen will die Stadt nach Vorlage der Ergebnisse gesondert entscheiden.
Wer Arnold Rikli war
Arnold Rikli wurde am 13. Februar 1823 in Wangen an der Aare im Schweizer Kanton Bern geboren und starb am 30. April 1906 in Sankt Thomas, Kärnten. Der Färbereibesitzer und Naturheiler begründete die „Atmosphärische Kur“, bei der Licht-, Luft- und Wasseranwendungen im Mittelpunkt standen. Seine Sonnenbadbehandlung machte er 1855 bekannt. Rikli war Anhänger der Lebensreform.
Aufgewachsen ist er als Sohn eines angesehenen Politikers und Färbereibesitzers. Mit Blick auf die spätere Mitarbeit im väterlichen Betrieb wurde er streng erzogen. Mit 20 Jahren arbeitete er in der elterlichen Färberei und schloss dort seine Ausbildung zum Färber ab. 1845 gründete er mit seinen Brüdern Karl und Rudolf eine Garnfärberei in Seebach-Seeboden am Millstätter See in Kärnten.
Sein Interesse galt schon damals vor allem der Naturheilkunde. Das Unternehmen geriet dadurch vermutlich in finanzielle Schwierigkeiten. Rikli entwickelte einen Bettdampfapparat und wurde als „Wasserarzt“ bekannt. Nach einer eigenen erfolgreichen Krankheitsheilung zog er 1854 mit seiner Familie in das klimatisch günstig gelegene Veldes im heutigen Slowenien, um dort eine Heilanstalt zu gründen.
In den Sommermonaten behandelte er vor allem leichtere Fälle, die er selbst auswählte, und gewann zahlreiche Anhänger. Im Winter arbeitete er zunächst in Laibach, später in Triest und Gries bei Bozen, wo er auch schwerere Erkrankungen behandelte. Bei schweren Fällen blieb der Erfolg teilweise aus – unter anderem bei seinen eigenen Kindern.
Sonnenbäder, Luftparks und Streit mit Ärzten
Als „Sonnendoktor“ setzte Rikli auf Wasser-, Luft- und Lichttherapien, Bewegung an der frischen Luft, intensive Sonnenbäder, also Heliotherapie, und vegetarische Ernährung. Die Kurgäste übernachteten in offenen Hütten, die auf Vincenz Prießnitz zurückgingen. In der Umgebung lagen „Luftparks“ wie das Riklikum und die Arnoldshöhe. Sie dienten als Fitnessplätze und wurden barfuß sowie mit möglichst wenig Kleidung aufgesucht.
In den Kurgebäuden gab es Bassins, Duschen und Dampfbäder, auf den Dächern große Sonnenterrassen. Grundlage der Behandlung war der „atmosphärische Wechselreiz“ von Wasser, Luft und Licht. Er sollte das körperliche und seelische Gleichgewicht wiederherstellen – ein Ansatz, der heute eigenwillig klingt, damals aber viele Menschen anzog.
Rikli misstraute den wissenschaftlichen Erkenntnissen seiner Zeit und lehnte schulmedizinische Maßnahmen wie Impfungen und Operationen ab. Dadurch wurde er zu einem entschiedenen Gegner der Ärzteschaft. Konflikte mit Ärzten führten häufig zu Gerichtsverfahren. Trotzdem hielt Rikli bis zu seinem Tod an seinen Theorien fest und war überzeugt, einen wichtigen Beitrag zur Medizin geleistet zu haben.
Unter seinem Einfluss entwickelte sich Veldes zu einem bedeutenden Kurort und erlebte bis zum Ersten Weltkrieg einen starken Aufschwung. Im heutigen Bled werden weiterhin abgewandelte Formen seiner Kuren angeboten. Naturheilkundler würdigen bis heute seine Beiträge, unter anderem zur Lichttherapie.
Auch in der Wissenschaft blieb sein Name präsent: Seit 1989 vergibt die Light Foundation in Atlanta jährlich den Arnold-Rikli-Preis für Arbeiten zur biologischen Wirkung von Licht auf den Menschen. Seit 2016 verleiht außerdem die Jörg-Wolff-Stiftung einen mit 10.000 Euro dotierten Arnold-Rikli-Preis für photobiologische Forschung am menschlichen Organismus. Er steht unter der Schirmherrschaft der Europäischen Gesellschaft für Photobiologie.
Vom Kärntner Kurort bis zum Monte Verità
Rikliks Bruder war der Unternehmer Samuel Friedrich Rikli, sein Cousin der Kaufmann und Politiker Johann Rudolf Moser. Zu seinen „Schülern“ gehörte der Maler und Sozialreformer Karl Wilhelm Diefenbach, der in Wien eine Landkommune nach Riklis Prinzipien gründete.
In Riklis Kuranstalt in Veldes trafen sich außerdem Henri Oedenkoven, Ida Hofmann sowie Karl und Gusto Gräser. Diese gründeten im Herbst 1900 über Ascona die Siedlung „Berg der Wahrheit – Monte Verità“, zu der auch eine Naturheilanstalt gehörte. Die etwa 20 Jahre bestehende Anstalt orientierte sich ebenfalls an Riklis Heilweisen und wurde zugleich zu einem Treffpunkt kulturreformerischer Bewegungen.
Ob in der Villa Rikli künftig Geschichte vermittelt, eine digitale Ausstellung aufgebaut oder ein neuer sozialer und kultureller Treffpunkt geschaffen wird, soll nun Werner M. Thelians Konzept mit seinen 6000 Euro brutto zeigen. Erst danach will Wolfsberg über weitere Schritte und mögliche Investitionen entscheiden.
