Hongkong

In Hongkong sind ältere Menschen, die in den belebten Straßen mit überladenen Einkaufswagen voller weggeworfener Pappe unterwegs sind, kaum zu übersehen.

Ein harter Alltag im Recyclingsystem

Viele von ihnen sind über 70 Jahre alt und schleppen mehrere Kilogramm Pappe für einen mageren Lohn, um in einer der reichsten Städte Asiens über die Runden zu kommen.

Sie meistern steile Hügel und enge Gassen, während sie sich Sonne und heftigen Regenschauern aussetzen. Ohne offizielle Stellenbezeichnung sind sie dem Risiko ausgesetzt, dass ihre Einkaufswagen oder Funde von städtischen Beamten konfisziert werden.

An guten Tagen verdienen sie etwa 12 Dollar, kaum genug für zwei Mahlzeiten.

Ein Blick in die Lebensrealität der „Pappabeja“

CNN begleitet eine „Pappagranny“, wie diese Arbeiterinnen genannt werden, eine Nacht lang und spricht mit mehreren anderen.

Anstrengende Stunden: Wu Sau-jing, 71 Jahre alt, begibt sich jede Nacht um 2 Uhr auf die Straße, um die von Geschäften und Restaurants weggeworfene Pappe zu sammeln. Sie sortiert ihre Funde und bringt sie anschließend zu einer lokalen Recyclingfirma. Zu Hause angekommen ist es meist schon gegen 11 Uhr.

„Ich verdiene so meinen Lebensunterhalt und es ist auch mein Hobby. Wenn man es nicht mag, kann es ganz schön anstrengend sein“, erzählt sie CNN.

Wenig Ertrag und steigende Schwierigkeiten

Wenig Verdienst: Lai, ebenfalls in ihren 70ern, berichtet, dass sie täglich ungefähr HK$100 (12 Dollar) verdient, kaum genug, um sowohl das Mittag- als auch das Abendessen zu bezahlen.

Trotz des großen Reichtums in Hongkong kämpfen viele ältere Bewohner. Eine Schätzung von Oxfam Hongkong aus dem Jahr 2024 ergab, dass 580.000 ältere Menschen in der Stadt in Armut leben. Die Regierung bietet älteren Bürgern eine kleine monatliche Unterstützung, doch viele von ihnen müssen und möchten zusätzlich arbeiten, um die Lebenshaltungskosten in einer der teuersten Städte der Welt zu decken.

Lais Einkommen hat sich im letzten Jahr halbiert. Früher zahlten Recyclingunternehmen HK$0.6 (0.078 Dollar) pro Kilogramm, das empfohlene Minimum der Regierung, doch jetzt bieten sie nur noch HK$0.3 (0.038 Dollar). Noch schlimmer ist, dass sie manchmal nichts erhält, wenn Fremde oder Beamte ihre gesammelten Gegenstände wegwerfen, weil sie diese für Müll halten.

Ungewisse Zeiten im Recyclinggeschäft

Ein schlechter Tag: Chan Ngai-kan, 95 Jahre alt, musste eines Nachmittags nach dem Schieben ihres Wagens von einem Bezirk zum anderen feststellen, dass die Recyclingstelle, zu der sie normalerweise geht, keine Pappe mehr annahm. An diesem Tag entsorgte sie ihre Funde an einer nahegelegenen Müllstation und ging ohne Geld weg. „Es ist ein großer Schlag“, erzählt sie CNN.

„Meine Kinder sind in Kanada und ich habe kein Geld“, sagt sie.

Der „Kartononkel“ und die Abfallproblematik in Hongkong

Kartononkel: Cheung, 80, ist einer der wenigen Männer, die Pappe sammeln. Er hat keinen festen Zeitplan und sammelt einfach alles, was ihm über den Weg läuft. Wenn er genug gesammelt hat, ist es eine 30-minütige Reise, um seinen Wagen zum nächstgelegenen Recyclingzentrum zu schieben, dabei muss er auch einige steile Straßen bewältigen.

Eine verschwenderische Stadt: Hongkong produziert täglich etwa 1,51 Kilogramm Abfall pro Kopf, was die Stadt weit über andere asiatische Nachbarn wie Tokio (0,88 kg), Seoul (0,95 kg) und Taipeh (1,139 kg) hinausführt. Laut offiziellen Zahlen werden nur 30-40% des Abfalls in Hongkong recycelt, im Vergleich zu mehr als der Hälfte in Taiwan und Südkorea.

Seit drei Jahrzehnten kehrt Wu jede Nacht auf die gleiche Straße zurück und folgt demselben Routineablauf. Die Arbeit ist prekär und die Stunden sind anstrengend, aber für sie ist es zur Sucht geworden. „Es ist wie Rauchen und Glücksspielen“, scherzt sie. „Es ist ein Hobby, das man nicht loswird… Ich werde es tun, bis ich es nicht mehr kann.“