Blaue Welle aus Texas erreicht Ludwigsburg: Demokraten feiern überraschenden Wahlsieg
In Ludwigsburg ist die Freude über den Ausgang der US-Zwischenwahlen bis nach Baden zu spüren. Die „Midterms“ vom 3. November 2026 brachten den Demokraten einen deutlichen Erfolg. Im Café Bubbles nahe dem Ludwigsburger Rathaus wurde das Ergebnis gefeiert – mit Blumen, viel Farbe und einer gehörigen Portion Erleichterung.
Rebecca Wawzyniak trug an diesem Morgen einen blauen Pullover, die Farbe der Demokraten, dazu eine Halskette mit Texas-Anhänger und der Gravur „Home“. „Erleichtert und begeistert“, sei sie, sagte die aus Texas stammende Cafébetreiberin. Seit mehr als 30 Jahren hätten in Texas die Republikaner regiert und ihrer Ansicht nach vieles schlecht gemacht.
Eine blaue Welle aus Texas
Wawzyniak verfolgte die Wahlergebnisse unmittelbar am Morgen. Sie sprach von einer „blauen Welle“ und freute sich besonders darüber, dass Gina Hinojosa erstmals Gouverneurin von Texas wird. Hinojosa, 52, löst den republikanischen Amtsinhaber Greg Abbott ab – und ist die erste Demokratin in diesem Amt seit 1990 sowie die erste Latina an der Spitze des Bundesstaats.
Auch die Gäste ihres Cafés reagierten nach ihrer Darstellung positiv. Wawzyniak bekam Blumen in den US-Farben Rot, Weiß und Blau geschenkt. Die blaue Blüte war größer als die rote – ein kleines Detail, aber eines, das an diesem Tag offenbar ziemlich gut passte.
Wawzyniak hofft nun, dass das Ergebnis die Republikaner zu einer Änderung ihres politischen Verhaltens bewegt und sie sich weniger an Donald Trump orientieren. In Washington sollten ethische Grundsätze wieder stärker zählen, findet sie: weniger Bestechung und weniger Einfluss von Kryptowährungen wie Bitcoin.
Zu Besuch im Café war auch Sasha Arrington, stellvertretende Vorsitzende von „Democrats Abroad“ für Stuttgart und Südwestdeutschland. Sie sei „ganz aus dem Häuschen“ und seit jeher überzeugte Demokratin, sagte Arrington. Die Organisation ruft im Ausland lebende US-Amerikaner zur Teilnahme an Wahlen auf und unterstützt sie dabei, das Wahlsystem zu verstehen.
Kaufkraft, Gesundheitssystem und gebrochene Versprechen
Das Wahlergebnis zeige, dass politische Sachthemen wichtiger seien als die von Trump aus ihrer Sicht inszenierte Auseinandersetzung, erklärte Arrington. Für die US-Bevölkerung seien vor allem die Kaufkraft und das Gesundheitssystem wichtige Wahlthemen gewesen.
Zum Erfolg der Demokraten hätten außerdem gebrochene Wahlversprechen Trumps beigetragen. Er habe mit „no war“ kandidiert, führe nun aber Krieg. Den Krieg in der Ukraine habe er beenden wollen, umgesetzt worden sei das nicht. Auch sinkende Lebensmittelpreise habe er angekündigt – eingetreten seien sie nicht. Arringtons Schlussfolgerung fällt knapp aus: Man könne Trumps Worten nicht vertrauen.
Als weitere Erfolge der Demokraten nannte sie Texas und Ohio. In Ohio wurde eine demokratische Kandidatin trotz einer negativen Wahlkampagne Gouverneurin.
Der Blick auf Texas zeigt, wie weit der Machtwechsel reicht – und zugleich, dass manche Zahlen noch nicht endgültig sind. Die Wahl fand am 3. November 2026 statt; der ausgewertete Stand ist vorläufig und noch nicht zertifiziert. Die Ergebnisübersicht des Texas Secretary of State weist zwar für alle 570 aufgeführten Rennen 100 % gemeldete Wahllokale aus. Das bedeutet aber nicht, dass alle zulässigen Stimmzettel abschließend geprüft und gezählt wurden. Die landesweite Abschlussprüfung ist zwischen dem 21. November und 7. Dezember vorgesehen.
Rennen mit weniger als drei Prozentpunkten Abstand werden in der vorliegenden Auswertung als offen behandelt. Das ist keine gesetzliche Nachzählungsgrenze. Die ausgewiesenen Stimmenanteile wurden aus den gemeldeten Kandidatenstimmen einschließlich Write-ins berechnet; leere und ungültige Stimmzettel sind nicht enthalten. Nachträgliche Prüfungen und weitere zulässige Stimmen können die Ergebnisse noch verändern.
Hinojosa dreht ein scheinbar sicheres Rennen
Bei der Gouverneurswahl führt Gina Hinojosa mit 5.230.789 Stimmen und 52,80 Prozent vor Greg Abbott mit 4.524.527 Stimmen und 45,67 Prozent. Pat Dixon von der Libertarian Party kommt auf 148.078 Stimmen und 1,49 Prozent. Hinojosas Vorsprung beträgt 706.262 Stimmen beziehungsweise 7,13 Prozentpunkte.
Das Ergebnis war keineswegs absehbar. Abbott kandidierte zum vierten Mal und galt als sicherer Sieger. Eine Woche vor der Wahl lag er in Umfragen drei Prozentpunkte vorne, 44 Prozent der Texaner bewerteten seine Amtsführung positiv. Abbott startete im Jänner mit 106 Millionen US-Dollar. Hinojosa verfügte laut offiziellen Zahlen über 1,3 Millionen US-Dollar und hatte im Sommer etwa ein Sechstel der finanziellen Mittel Abbotts. Elon Musk spendete den texanischen Republikanern 224 Millionen US-Dollar.
Hinojosa galt während des Wahlkampfs als chancenlos, auch weil ihre eigene Parteiführung sie nur wenig unterstützte. Trotzdem erhielt sie 52 Prozent der Stimmen, Abbott kam auf 46 Prozent. Der Amtsinhaber räumte seine Niederlage noch in der Wahlnacht telefonisch ein.
Auch im Rennen um den US-Senat liegen die Demokraten klar vorne. James Talarico erhielt 5.444.982 Stimmen und 55,06 Prozent, Ken Paxton 4.249.373 Stimmen und 42,97 Prozent. Ted Brown von der Libertarian Party kam auf 190.237 Stimmen und 1,92 Prozent. Talaricos Vorsprung beträgt 1.195.609 Stimmen beziehungsweise 12,09 Prozentpunkte. Mehrere Write-in-Kandidaten erhielten zusammen nur geringe Stimmenanteile.
Talarico wäre damit der erste texanische Demokrat seit 1988, der in den US-Senat einzieht. Die Demokraten führen außerdem bei allen sechs aufgeführten weiteren Landesämtern: Vikki Goodwin liegt als Vizegouverneurin mit 51,73 Prozent vor Dan Patrick mit 45,63 Prozent. Nathan Johnson führt als Attorney General mit 52,38 Prozent vor Mayes Middleton mit 45,94 Prozent.
Sarah Eckhardt liegt bei der Comptroller-Wahl mit 51,30 Prozent vor Don Huffines mit 46,15 Prozent. Benjamin Flores führt beim General Land Office mit 51,45 Prozent vor Dawn Buckingham mit 46,96 Prozent. In der Landwirtschaft liegt Clayton Tucker mit 51,31 Prozent vor Nate Sheets mit 46,65 Prozent. Bei der Railroad Commission führt Jon Rosenthal mit 52,52 Prozent vor Bo French mit 45,55 Prozent. Die demokratischen Anteile bei diesen Ämtern reichen damit von 51,30 bis 52,52 Prozent.
Viele Führungen, einige offene Rennen
Bei den 38 texanischen Kongresswahlkreisen führen Republikaner in 24 und Demokraten in 14. TX-02, TX-05, TX-27 und TX-32 gelten wegen Abständen von weniger als drei Prozentpunkten als offen. Am knappsten ist TX-02: Steve Toth (R) liegt mit 50,98 Prozent vor Shaun Finnie (D) mit 49,02 Prozent – ein Abstand von 1,97 Prozentpunkten oder 5.581 Stimmen.
Weitere Ergebnisse aus dem Vorbericht: In TX-15 führt Bobby Pulido (D) mit 62,32 Prozent vor Monica De La Cruz (R). Henry Cuellar (D) liegt in TX-28 mit 65,76 Prozent vor Tano E. Tijerina (R). In TX-23 kommt Katy Padilla Stout (D) auf 52,13 Prozent, der unabhängige Ben Mendoza auf 3,89 Prozent. Johnny Garcia (D) führt in TX-35 mit 55,43 Prozent vor Carlos De La Cruz (R). Die Parteizahlen beschreiben aktuelle Führungen, nicht bereits endgültig feststehende Mandate.
Im texanischen Repräsentantenhaus führen Demokraten in 83 und Republikaner in 67 der 150 Rennen. 17 Wahlkreise liegen innerhalb von drei Prozentpunkten, die Mehrheit der Kammer bleibt daher offen. Matt Morgan (R) führt in HD-26 mit 134 Stimmen beziehungsweise 0,18 Prozentpunkten. In HD-61 liegt Keresa Richardson (R) ebenfalls mit 134 Stimmen vorne, der Abstand beträgt 0,15 Prozentpunkte. Jeff Leach (R) führt in HD-67 mit 203 Stimmen oder 0,24 Prozentpunkten.
Stefanie Bord (D) liegt in HD-126 mit 265 Stimmen beziehungsweise 0,39 Prozentpunkten vorne. In HD-14 führt Janet Tycelia Dudding (D) mit 315 Stimmen oder 0,50 Prozentpunkten. Bei den 16 zur Wahl stehenden Staatssenatssitzen führen Republikaner in elf und Demokraten in fünf Rennen.
Drei Staatssenatsrennen bleiben offen: In SD-02 liegt Bob Hall (R) mit 2,72 Prozentpunkten vorne, in SD-09 Taylor Rehmet (D) mit 2,51 Prozentpunkten und in SD-11 Dennis Paul (R) mit 2,99 Prozentpunkten.
Auch die obersten Gerichte des Bundesstaats verschieben sich in Richtung der Demokraten. Demokratische Kandidaten führen in allen sieben aufgeführten Gerichtswahlen. Am Supreme Court liegen Maggie Ellis als Chief Justice mit 52,45 Prozent, Chari Kelly auf Place 2 mit 52,25 Prozent, Kristen Hawkins auf Place 7 mit 52,78 Prozent und Gisela D. Triana auf Place 8 mit 52,02 Prozent vorne.
Am Court of Criminal Appeals führen Audra Riley auf Place 4 mit 51,75 Prozent und Holly Taylor auf Place 9 mit 52,28 Prozent. Place 3 bleibt offen: Okey Anyiam (D) liegt mit 50,03 Prozent vor Thomas Smith (R) mit 47,58 Prozent, der Abstand beträgt 2,45 Prozentpunkte beziehungsweise 237.352 Stimmen. Der libertäre Kandidat Mark Ash erreicht dort 2,39 Prozent.
Ein Machtwechsel mit Folgen
Die Demokraten gewannen bei den Zwischenwahlen nahezu alle landesweiten Ämter: das Gouverneursamt, das Amt des Vizegouverneurs, den Posten des Generalstaatsanwalts und den Vorsitz der Eisenbahnaufsicht. Zudem gewannen sie alle vier zur Wahl stehenden Sitze im Obersten Gerichtshof von Texas.
Landesweite Sachvorlagen standen bei der Wahl nicht auf dem amtlichen Musterstimmzettel. Zu kommunalen Abstimmungen, etwa in Austin, enthält die ausgewertete Landesübersicht keine Ergebnisse. Der zugrunde liegende Artikel wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt; auch das Artikelbild wurde per KI erzeugt.
Für Texas und möglicherweise auch für die Bundespolitik könnten die Ergebnisse langfristige Folgen haben. In Ludwigsburg bleibt derweil die blaue Blüte in Erinnerung, größer als die rote, und im Café Bubbles wird über einen Wahlausgang gesprochen, den viele dort noch vor wenigen Tagen kaum für möglich gehalten hätten.
