In Baden und entlang des Oberrheins war der extrem trockene Sommer 2026 bei den heimischen Stechmücken kaum zu übersehen – oder besser: kaum zu spüren. Rekord-Niedrigwasserstände und ausgebliebene Überschwemmungen ließen deutlich weniger Brutstätten entstehen. Die Saison blieb ungewöhnlich mückenarm.

Ganz anders entwickelte sich die Asiatische Tigermücke. Hohe Temperaturen, ein früher Beginn der Sommertage und anhaltende Wärme bis Ende September beschleunigten ihre Ausbreitung. Ab August gingen bei der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) mit Sitz in Speyer besonders viele Meldungen ein, vor allem aus Städten und dicht besiedelten Gebieten.

62 Kommunen erstmals betroffen

In diesem Jahr wurden erstmals Tigermücken in 62 Kommunen im Südwesten nachgewiesen. Der bisherige Rekord lag bei 58 neuen Kommunen im Jahr 2023, im Vorjahr waren es 35. Damit liegen nun aus 272 Kommunen offizielle Nachweise vor.

Die Mücke kommt mit Trockenheit erstaunlich gut zurecht. Sie brütet im Siedlungsraum und nutzt kleinste Wasseransammlungen – etwa in unterirdischen Bereichen, künstlich bewässerten Gefäßen, Astlöchern, Regentonnen, Vogeltränken, Blumenvasen, Topfuntersetzern oder Gießkannen. Auch Pfützen sowie stehendes Wasser auf Friedhöfen und in Schrebergärten reichen aus.

Weibchen legen drei bis fünf Tage nach der Paarung schwarze, austrocknungsresistente Eier knapp oberhalb kleiner Wasseransammlungen ab. Werden diese überflutet, schlüpfen die Larven. Danach folgen vier Larvenstadien und ein Puppenstadium. Je nach Umweltbedingungen dauert die Entwicklung etwa sieben bis 20 Tage; aus den Puppen kommen flugfähige Mücken, die sich nach zwei bis drei Tagen paaren und Eier ablegen können. Meist nehmen die Weibchen schon 24 Stunden nach der Eiablage wieder Blut auf.

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Nach Berechnungen konnte sich in der zweiten Septemberhälfte eine sechste Tigermücken-Generation entwickeln – so früh wie nie zuvor. Weibliche Tiere leben bis zu sechs Wochen, einzelne Exemplare können deshalb noch bis November auftreten. Wegen der warmen Saison dürfte außerdem eine große Zahl an Eiern überwintern.

Klein, schwarz-weiß und ziemlich hartnäckig

Die Asiatische Tigermücke, wissenschaftlich Aedes albopictus, ist relativ klein und meist höchstens neun Millimeter lang. Auffällig sind die schwarz-weiße Färbung an Hinterleib und Hinterbeinen sowie eine weiße Linie vom Hinterkopf bis zum Flügelansatz. Die Flügel sind weitgehend transparent und ohne Musterung. Aktiv ist die tagaktive Mücke auch in der Abenddämmerung.

Verwechslungen sind möglich: Die größere und häufigere Ringelschnake (Culiseta annulata) misst etwa zehn bis 13 Millimeter, ist eher beige oder grau und hat keine Zeichnung auf der Brust. Die Tigermücke sticht vergleichsweise aggressiv und gilt als potenzieller Überträger von Krankheiten.

Ursprünglich stammt sie aus dem asiatisch-pazifischen Raum. Internationaler Waren- und Personenverkehr haben sie weltweit verbreitet. In Europa wurde sie in fast 30 Ländern nachgewiesen, in mehr als 20 Ländern – darunter Deutschland – ist sie bereits etabliert. Ihre Eier können austrocknen und eine Ruhephase im Eistadium, die sogenannte Diapause, einlegen.

In Deutschland wurde die Art 2007 erstmals an einem Autobahnrastplatz bei Weil am Rhein entdeckt. Seit 2014 werden kleinere Populationen in verschiedenen Landkreisen festgestellt, vor allem im Südwesten sowie in Thüringen, Bayern und Berlin. In Berlin bestätigte sich im Sommer 2022 erstmals eine erfolgreiche Überwinterung.

Vermutlich reist die Tigermücke als blinder Passagier im Güterverkehr aus Südeuropa ein. Auch der weltweite Handel mit gebrauchten Autoreifen hilft ihr: In Wasserresten können Larven und Eier den Transport überstehen.

Was von den Stichen und Viren zu halten ist

Die Asiatische Tigermücke kann bestimmte Fadenwürmer, darunter Dirofilarien, und zahlreiche durch Gliederfüßer übertragene Viren, sogenannte Arboviren, übertragen. Ihr potenzielles Spektrum umfasst mehr als 20 Viren – unter anderem West-Nil-, Dengue-, Chikungunya-, Zika- und Gelbfieberviren.

Eine Übertragung ist allerdings nur möglich, wenn das Insekt zuvor bei einem infizierten Wirt Erreger aufgenommen hat. Für einen Krankheitsausbruch braucht es zusätzlich infizierte Wirte, eine ausreichende Mückendichte und passende klimatische Bedingungen. Trotz der zunehmenden Ausbreitung in Deutschland wird das Infektionsrisiko durch tropische Erreger derzeit als gering eingeschätzt. Wer in Regionen mit solchen Erregern reist, sollte sich über empfohlene Impfungen und Schutzmaßnahmen informieren.

Der Klimawandel begünstigt die Entwicklung: Viele tropische Viren vermehren sich in Mücken erst bei anhaltenden Temperaturen von etwa 25 Grad über mehrere Wochen. In Südeuropa kam es in den vergangenen Jahren bereits zu Dengue- und Chikungunya-Infektionen durch etablierte Tigermücken. 2019 wurden erstmals Zika-Infektionen dokumentiert, die in Südfrankreich durch Tigermücken übertragen worden sein sollen; wegen milder oder unerkannter Verläufe könnte die tatsächliche Zahl höher liegen.

Das West-Nil-Virus kann in Deutschland bereits überwintern, Chikungunya ist hier bislang nicht dauerhaft etabliert. Ende 2019 wurden erstmals drei innerhalb Deutschlands erworbene West-Nil-Infektionen bekannt. Bis Anfang 2024 waren offiziell 55 Fälle erfasst, wobei wegen vieler symptomloser oder milder Verläufe eine höhere Dunkelziffer angenommen wird.

Nur etwa einer von 100 Infizierten erkrankt schwer. Mögliche Beschwerden reichen von Übelkeit und Kopfschmerzen über plötzlich einsetzendes Fieber bis zu neurologischen Schäden. Die ersten Anzeichen können wie eine Grippe wirken, meist liegen zwischen Infektion und Symptombeginn zwei bis 14 Tage. Bei schweren Verläufen ist eine Hirnhautentzündung möglich, meistens heilt die Infektion aber ohne Komplikationen aus. Ältere und vorerkrankte Menschen sind besonders gefährdet; das Robert Koch-Institut erwartet in besonders warmen und langen Sommern mehr Fälle.

Wasser weg, Mücke weg?

Die Kabs ruft dazu auf, Wassergefäße im Außenbereich gründlich zu reinigen. „Kein Wasser, keine Vermehrung“ lautet die praktische Regel. Wasseransammlungen in Haus und Garten sollten vermieden werden – auch in halb gefüllten Eimern, Gießkannen und Blumentopfuntersetzern. Regentonnen gehören dicht abgedeckt, Vogeltränken und andere Gefäße sollten mindestens einmal pro Woche vollständig entleert und gründlich gereinigt werden.

Gefäße lassen sich umdrehen, mit Abläufen versehen oder mit Sand beziehungsweise Kies füllen. Das klingt nach Kleinkram, ist aber genau jener Kleinkram, in dem die Mücke ihre Kinderstube findet. Zum Schutz vor Stichen empfiehlt das Umweltbundesamt helle, weite Kleidung, weil Stechmücken bevorzugt dunkle Farben anfliegen. Unbedeckte Haut kann mit Repellentien behandelt werden. Fenster sollten vor allem abends geschlossen oder mit Fliegengittern versehen sein; beim Schlafen hilft ein Moskitonetz. Bei längeren Aufenthalten im Freien kommt zusätzlich mit Repellentien behandelte Kleidung infrage.

Kabs-Experten suchen Brutstätten zu Fuß im Unterholz und behandeln viele Bereiche aus der Luft. Von Hubschraubern aus wird der Wirkstoff Bti gegen Mückenlarven verteilt. BTI steht für Bacillus thuringiensis israelensis; das biologische Mittel tötet die Larven. Weitere Ansätze sind das Austrocknen oder Abdecken von Brutstätten und der Einsatz von Fallen.

Seit 2017 werden deutsche Tigermücken in Italien vermehrt, durch Gammastrahlung sterilisiert und anschließend in Deutschland freigesetzt. Die sterilen Männchen paaren sich mit Weibchen, erzeugen aber keinen Nachwuchs. Forschende untersuchen außerdem das Bakterium Wolbachia, das die Entwicklung von Dengue-Viren in Tigermücken verhindern und damit deren Übertragung unterbinden kann.

Nicht nur die Tigermücke kommt

Die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) wurde 2008 erstmals im südlichen Baden-Württemberg nachgewiesen. Sie ist kälteresistenter als die Tigermücke und kommt inzwischen in fast allen Bundesländern vor. Übertragen kann sie das West-Nil-Virus sowie Viren, die beim Menschen eine Gehirnentzündung auslösen können.

Aedes koreicus wurde 2015 erstmals in Bayern und 2017 in Hessen entdeckt. 2018 fanden sich in Hessen erneut Larven und Puppen – ein Hinweis auf eine überwinternde Population. Die Art stammt aus Korea, Japan, China und Teilen Russlands und hat sich auch in Belgien, Italien, der Schweiz und Ungarn etabliert. Ihre klimatischen Ansprüche und ihr Ausbreitungspotenzial ähneln denen von Tiger- und Buschmücke. Möglich ist, dass sie Viren der Japanischen Enzephalitis und des Chikungunya-Fiebers sowie Fadenwürmer der Gattung Dirofilaria überträgt. Nach Angaben der Senckenberg Gesellschaft bestand zunächst noch die Möglichkeit, die kleine deutsche Population zurückzudrängen.

Einige eingewanderte Tiger- und Buschmücken überleben deutsche Winter und offenbar auch trockene Sommer. Tropische Arten benötigen für die Eiablage nur kleine, flache Wasserstellen, während Eier heimischer Mücken Trockenperioden teilweise über Jahre überdauern können. Für heimische Sumpfwaldstechmücken hängt die Zahl der Brutstätten vom Grundwasserstand ab. Deshalb könnten die Folgen der heurigen Trockenheit bis zur nächsten Stechmückensaison anhalten.

Wer eine Mücke nicht zuordnen kann, kann beim seit 2012 vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung und dem Friedrich-Loeffler-Institut betriebenen „Mückenatlas“ mitmachen. Bürgerinnen und Bürger fangen dafür eine unbeschädigte Mücke in einem verschließbaren Glas oder Kunststoffgefäß, frieren sie über Nacht ein und schicken sie anschließend in einer kleinen Dose oder Streichholzschachtel ein.

Das Umweltbundesamt hat seine Informationen zur Asiatischen Tigermücke zuletzt am 9. Oktober 2026 aktualisiert. Draußen im Garten bleibt damit vorerst die einfache, etwas lästige Routine: umdrehen, ausleeren, schrubben. Und wenn es beim nächsten warmen Abend doch wieder am Ohr summt, ist Wegwischen allein vielleicht zu wenig.