Schülerinnen und Schüler der HAK Horn, der HAK Gmünd und der HAK Zwettl besuchten das Landesklinikum Horn. Zwischen Rundgängen und kurzen Vorträgen bekamen sie einen Einblick in den Krankenhausalltag – und in die Frage, welche beruflichen Wege im Gesundheitswesen offenstehen.

Vorgestellt wurden unter anderem die Ausbildung zur Pflegeassistenz, verschiedene medizinische Assistenzberufe sowie das Bachelorstudium Gesundheits- und Krankenpflege. Für manche war das ein ziemlich konkreter Blick auf eine mögliche Zukunft: nicht nur Medizin und Pflege, sondern ein ganzes Geflecht an Tätigkeiten, die in einem Klinikum ineinandergreifen.

Ein Klinikum ist mehr als Arzt und Pflege

Im Landesklinikum Horn arbeiten rund 70 verschiedene Berufsgruppen zusammen. Dazu gehören Fachkräfte aus Einkauf und Buchhaltung ebenso wie Beschäftigte in der Pflege und Mitglieder der Ärzteschaft. Der kaufmännische Direktor Franz Huber machte den Jugendlichen deutlich, dass ein Klinikum weit mehr Berufsfelder bietet als jene, die man auf den ersten Blick mit Medizin und Pflege verbindet.

Gesundheitsberufe gelten angesichts des steigenden Bedarfs an qualifizierten Fachkräften als Zukunftsberufe. Die HAK Horn greift dieses Thema im Ausbildungsschwerpunkt Gesundheitsmanagement/Sport auf. Dadurch ermöglichen die drei Waldviertler Handelsakademien ihren Schülerinnen und Schülern eine praxisnahe Auseinandersetzung mit der Gesundheitswirtschaft – nicht bloß aus dem Lehrbuch, sondern dort, wo der Betrieb tatsächlich läuft.

Der Bedarf wächst – und die Lücken bleiben

Der Besuch fällt in eine Zeit, in der in Österreich und auch in Deutschland qualifiziertes Pflegepersonal fehlt. Ausgeschriebene Stellen bleiben teilweise unbesetzt. Die Bevölkerung wird älter, die Lebenserwartung steigt, und damit nimmt auch der Pflegebedarf zu.

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In Österreich arbeiten rund 127.000 Pflege- und Betreuungspersonen im akut-stationären und im Langzeitbereich: etwa 67.000 in Krankenhäusern und 60.000 im Langzeitbereich. Bis 2030 werden voraussichtlich 158.000 Pflegekräfte benötigt. Wird zusätzlich der Ausbau mobiler Dienste berücksichtigt, steigt der Bedarf auf 161.000 Pflegepersonen.

Die Corona-Pandemie machte die bereits vorhandenen Probleme ab 2020 sichtbarer und verschärfte die Belastungssituation. Als Gründe für den Fachkräftemangel werden unter anderem Unzufriedenheit mit der Vergütung, fehlende Anerkennung und Wertschätzung sowie eine hohe Zahl an Überstunden genannt. Gerade in der Altenpflege, auf psychiatrischen Stationen und in der Intensivmedizin sind die Anforderungen hoch; hinzu kommt die vergleichsweise geringe Bezahlung.

Belastung bis an die Grenze

Eine ÖGKV-Studie zeigt, wie tief die Pandemie in den Arbeitsalltag eingegriffen hat: Bei 86 Prozent der Beschäftigten verschlechterte sich die Arbeitssituation stark oder sehr stark. Langes Tragen von Schutzausrüstung, hoher Organisationsaufwand und Überstunden gehörten zu den genannten Belastungen. Viele Pflegekräfte berichteten von Stress, Ängsten, Erschöpfung, Schlaflosigkeit und verstärkten körperlichen Schmerzen.

Rund 45 Prozent erwogen einen Berufsausstieg – potenziell etwa 27.700 Personen. Schon vor der Pandemie hatten laut Arbeitsklima-Index der Arbeiterkammer Österreich sechs von zehn Befragten angegeben, den Beruf nicht bis zur Pensionierung ausüben zu können. Einer Studie der Universität Innsbruck zufolge steigt außerdem die Zahl der Pflegekräfte mit Depressionen.

Die Zahlen am Arbeitsmarkt wirken dabei fast widersprüchlich: 2021 standen rund 900 offenen Stellen für Pflegeassistenten etwa 500 Arbeitssuchende gegenüber. Besonders gefragt sind diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegefachassistenten und Pflegeassistenten.

Was bis 2030 gebraucht wird

Durch den steigenden Pflegebedarf werden bis 2030 zusätzlich rund 34.000 Personen benötigt – etwa 13.000 in Krankenanstalten und etwa 21.000 im Langzeitbereich. Rund 30 Prozent der Beschäftigten sind bereits über 50 Jahre alt. Wegen der bevorstehenden Pensionierungen wird ein Ersatzbedarf von etwa 42.000 Personen erwartet. Bleibt die Situation unverändert, könnte der gesamte Fachkräftemangel 2030 rund 76.000 Pflegekräfte betragen.

Als mögliche Gegenmittel werden eine Ausweitung der Bildungsförderungen auf tertiäre Ausbildungen, etwa zur diplomierten Gesundheits- und Krankenpflege, und ein flächendeckender Ausbau der Ausbildungsangebote für Gesundheits- und Sozialberufe genannt. Auch die Abschaffung von Ausbildungskosten und Unterstützung bei den Lebenshaltungskosten während der Ausbildung sollen Pflegeausbildungen für Erstinteressierte und Quereinsteiger attraktiver machen.

Das Fachkräftestipendium unterstützte zunächst ausschließlich die Ausbildung zur Pflegefachassistenz und sollte die Lebenshaltungskosten während der Ausbildung abdecken. Der Arbeitsmarktservice stellte rund 51 Millionen Euro für Gesundheits- und Pflegeausbildungen bereit; etwa 10.600 Personen nahmen die Förderung in Anspruch. Eine von Sozialminister Wolfgang Mückstein für Herbst 2021 angekündigte Pflegereform wurde auf 2022 verschoben, für 2023 wurde erneut eine Pflegereform mit einem umfassenden Maßnahmenpaket angekündigt.

Auch politische und rechtliche Fragen spielen hinein. Caritas-Generalsekretärin Anna Parr forderte 2020 einen Abschiebestopp für Auszubildende in Pflegeberufen. Als Vorbild wurde das deutsche „3plus2“-Modell genannt: eine maximal dreijährige Ausbildung für ausreisepflichtige Personen, anschließend eine zweijährige Beschäftigung im erlernten Beruf und danach die Möglichkeit eines anderen Aufenthaltstitels. Der ehemalige österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz lehnte ein solches Modell für Österreich ab. Offene Finanzierungsfragen, langwierige politische Verhandlungen und unterschiedliche Regelungen der Bundesländer erschweren die Umsetzung.

Diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger können in verschiedenen Pflegebereichen eingesetzt werden. In Österreich gibt es etwa 2.400 offene DGKP-Stellen – fast die Hälfte aller ausgeschriebenen Pflegejobs. Auch in der Altenpflege übernehmen DGKP Aufgaben, weil Altenpflege in Österreich anders als in Deutschland kein eigenständiger Beruf ist. In der Pflegefachassistenz und Pflegeassistenz gibt es mehr als 1.000 offene Stellen; beide Berufsgruppen unterstützen Ärzte und DGKP in unterschiedlichen Fachbereichen.

Für die Jugendlichen aus Horn, Gmünd und Zwettl wurde damit sichtbar, was hinter einem Krankenhausbetrieb steckt: viele Berufe, viele Wege – und ein Arbeitsmarkt, der Nachwuchs dringend brauchen wird.