Steiermark erklärt Bier zur kulturellen Angelegenheit
In der Brauerei Göss in Leoben drehte sich heute, am 6. November 2026, alles um Bier – und um die Frage, wie Österreich künftig damit umgeht. Die Brau Union Österreich hatte zum Bierkulturgipfel eingeladen, bei dem die Ergebnisse einer aktuellen Marktstudie vorgestellt wurden. Für die Steiermark gab es dabei viel Rückenwind: 86 Prozent der Steirerinnen und Steirer sehen Bier als wesentlichen Bestandteil der österreichischen Getränkekultur. Das ist der höchste Wert im Bundesländervergleich.
Österreichweit trinkt fast jede zweite Person regelmäßig Bier. Der neue, mittlerweile 18. Bierkulturbericht der Brau Union zeichnet dabei ein etwas zurückhaltenderes Bild: 48 Prozent trinken mindestens mehrmals pro Monat Bier, der Anteil ist leicht rückläufig. 71 Prozent bevorzugen regionale beziehungsweise österreichische Biere, nur sechs Prozent greifen lieber zu internationalen Sorten.
Regional, gesellig und gern auch saisonal
In der Steiermark bevorzugen 41 Prozent Bier aus der eigenen Region. Nur in Oberösterreich und Vorarlberg liegt dieser Anteil höher. Märzen, Pils und Zwickl bleiben die Klassiker für gesellige Anlässe – beim Grillen, bei privaten Feiern, im Gastgarten oder Biergarten, bei Festen und Kirtagen. Auch Geburtstage, Jubiläen sowie Ostern und Weihnachten gehören zu den Gelegenheiten, bei denen Bier häufig auf den Tisch kommt.
Mehr als ein Viertel der Bevölkerung konsumiert gerne saisonale Bierspezialitäten. Konkret sagen 27 Prozent, dass sie Biere mögen, die nicht das ganze Jahr erhältlich sind. Gleichzeitig möchten 60 Prozent ihr bevorzugtes Bier jederzeit genießen können. In Niederösterreich ist saisonales Bier mit 31 Prozent besonders beliebt.
Der erste Kontakt mit dem Getränk passiert für viele offenbar nicht irgendwo, sondern daheim: 31 Prozent geben an, ihr erstes Bier im familiären Umfeld verkostet zu haben. Da wird beim Familienfest eingeschenkt, beim Kirtag angestoßen – und irgendwann kennt man den Unterschied zwischen Märzen und Pils zumindest ungefähr.
Alkoholfrei legt vor allem bei Jüngeren zu
Beim alkoholfreien Bier liegt die Steiermark mit 37 Prozent bundesweit auf Platz zwei, knapp hinter Salzburg mit 38 Prozent. Österreichweit trinken 31 Prozent gerne alkoholfreies Bier, der Wert blieb gegenüber dem Vorjahr unverändert. Besonders groß ist die Zustimmung bei den 18- bis 39-Jährigen. 18 Prozent wollen künftig mehr alkoholfreies Bier trinken.
Auch beim verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol zeigt sich ein klares Signal: 59 Prozent achten nach eigenen Angaben stets darauf, nicht zu viel zu trinken. In der Steiermark erreicht das Verantwortungsbewusstsein mit 58 Prozent den höchsten Wert aller Bundesländer. Oberösterreich führt dagegen mit 52 Prozent bei den regelmäßigen Bierkonsumenten.
Weitere regionale Unterschiede liefert die Erhebung ebenfalls: In Wien kaufen 37 Prozent Bier bevorzugt in Einwegflaschen oder Dosen. Salzburg kommt beim alkoholfreien Bier auf 38 Prozent, die Steiermark auf 37 Prozent. Die Zahlen liegen nah beieinander – und erzählen doch einiges über unterschiedliche Gewohnheiten im Land.
Göss als Arbeitgeber und Treffpunkt
Die Brau Union betonte in Leoben die Bedeutung der heimischen Bierproduktion und ihrer zwölf regionalen Brauereien. Bürgermeister Kurt Wallner hob die Brauerei Göss als wichtigen Faktor für die regionale Wertschöpfung und als Arbeitgeber hervor. Auch als Unterstützer lokaler Veranstaltungen spiele sie eine wichtige Rolle.
Vorstandsvorsitzender Hans Böhm und Braumeister Michael Zotter führten die Gäste durch die Brauerei. Danach wurde unter der Moderation von Sandra Suppan über die Zukunft der österreichischen Bierkultur diskutiert. Mit dabei waren Biersommelier-Staatsmeister Reinhard Feigl, Daniel Frixeder und Ingeborg Höflehner.
Marco Triller, Klubobmann und Abgeordneter zum Steirischen Landtag, verwies auf die gesellige Funktion des gemeinsamen Bierkonsums und stellte den bewussten Genuss in den Vordergrund. Ein Satz, der bei einer Veranstaltung mit Biergläsern in Reichweite nicht völlig überraschend kam – aber durchaus hängen blieb.
Zum Ausklang gab es Hausmannskost und begleitende Biere. Kein großes Finale, eher ein bodenständiger Abschluss nach Zahlen, Diskussionen und dem Duft einer laufenden Brauerei.
2.500 Befragte und ein Bericht mit neuen Extras
Grundlage des Bierkulturberichts 2026 ist eine repräsentative Online-Befragung des MARKET Marktforschungsinstituts. Im März 2026 wurden 2.500 Personen ab 18 Jahren in Online-Interviews befragt. Der Bericht untersucht den Bierkonsum und die Einstellungen zu verschiedenen Bierthemen in Österreich.
Nach einem optischen Relaunch im Vorjahr wurde das Bierkulturmagazin auch inhaltlich erweitert. QR-Codes führen zu ergänzenden Videos, außerdem soll das Thema Bierkultur ganzjährig in sozialen Medien begleitet werden – mit Interviews und Eindrücken aus der österreichischen Bierwelt.
