In Osttirol wird das Thema Fachkräftemangel ernst genommen – und das nicht ohne Grund. Die Region hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt, und die Notwendigkeit, neue Lösungen zu finden, wird immer dringlicher. Um dem entgegenzuwirken, wurde das ländliche Innovationsnetzwerk „Open Osttirol“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Betriebe, Bildungseinrichtungen, Forschung und die Gesellschaft besser zu vernetzen. Die Initiatoren, die Innos GmbH, der Verein Industrie 4.0 Osttirol und der Verein Campus Isel, setzen sich dafür ein, dass frische Ideen in die Region getragen werden. Wirtschaftslandesrat Mario Gerber sieht großes Potenzial in dieser Initiative zur Stärkung der Innovationskraft und langfristigen Sicherung der wirtschaftlichen Entwicklung.
Die Zahlen sprechen für sich: Bis 2030 wird Osttirol voraussichtlich rund 1.300 Arbeitskräfte fehlen. Ein alarmierendes Signal, das die Verantwortlichen zum Handeln zwingt. Dabei sollen vor allem neue Zielgruppen integriert werden – Frauen in technischen Berufen, junge Menschen, Rückkehrer:innen und Fachkräfte aus dem Ausland. Barbara Hassler, Geschäftsführerin von Innos, hebt die Stärken Osttirols hervor und betont die Notwendigkeit, diese besser miteinander zu verbinden. Auch Kurt Matzler, Wirtschaftswissenschaftler und Beiratsvorsitzender von Innos, spricht von der Bedeutung des Wissensaustauschs, der in dieser Hinsicht entscheidend sein kann.
Die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt
Die Sicherung des Fachkräftebedarfs ist eine Herausforderung, der sich nicht nur Osttirol, sondern auch andere Regionen stellen müssen. Laut einer E&Y-Studie aus 2022 ist die Akquise und Ausbildung arbeitsloser Personen erschwert, da die Arbeitslosenzahlen in Osttirol relativ niedrig sind. Die Corona-Krise hat zudem neue Arbeitsstrukturen hervorgebracht – New-Work-Modelle sind auf dem Vormarsch und verändern das Arbeitsumfeld grundlegend. Work-Life-Blending, Remote Work und agile Unternehmenskulturen sind plötzlich die neuen Schlagworte, die auch in Osttirol an Bedeutung gewinnen.
Besonders junge Arbeitnehmer:innen haben andere Vorstellungen von Karriere und Erfolg. Sinnhaftigkeit, Gestaltungsmöglichkeiten und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben stehen nun ganz oben auf der Wunschliste. Das ist ein klarer Hinweis für die Unternehmen, sich anzupassen und ihre Personalpolitik zu überdenken. Das Projekt „Innovation und Karriere“ zielt darauf ab, versteckte Potenziale zu identifizieren und zu motivieren. Hierbei stehen Frauen, Teilzeitbeschäftigte, Pensionisten und Studierende besonders im Fokus. Dies könnte ein entscheidender Schritt zur Abfederung des Arbeitskräftemangels sein.
Ein Blick in die Zukunft
Das Fachkräftemonitoring, das für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales durchgeführt wird, analysiert Arbeitsmarktströme und identifiziert ungenutzte Potenziale – insbesondere bei Frauen, Nicht-Deutschen und älteren Arbeitnehmern. Hier zeigt sich, dass der demografische Wandel die beruflichen Engpässe verstärkt, insbesondere in strukturschwachen Regionen. Digitalisierung und Dekarbonisierung stellen neue Herausforderungen dar, die nicht ignoriert werden können. Die Mittelfristprognose bis 2029 schätzt, dass rund 530.000 Fachkräfte fehlen werden – ein Fakt, der zum Nachdenken anregt. Weiterbildung wird dabei unerlässlich sein, um Mismatches auf dem Arbeitsmarkt zu vermeiden und die berufliche Leistungsfähigkeit zu steigern.
Die Initiative „Open Osttirol“ ist ein Schritt in die richtige Richtung. Sie bietet eine Plattform für Unternehmen, um sich zu vernetzen und innovative Lösungen zu finden. Die Zusammenarbeit in den Stärkefeldern der Region – Holz(bau), Mechatronik und MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) – könnte entscheidend sein. Um in dieser schnelllebigen und sich ständig verändernden Arbeitswelt Schritt zu halten, ist es unerlässlich, dass Osttirol nicht nur als Arbeitsort, sondern auch als attraktive Region für Freizeit wahrgenommen wird. Nur so kann der Zuzug neuer Fachkräfte angeregt werden.
Die Zeit drängt, und es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Dinge entwickeln werden. Die Weichen für die Zukunft sind gestellt – es liegt nun an den Akteuren vor Ort, die Chancen zu nutzen und die Herausforderungen aktiv anzugehen.