Allerseelen-Gedenken in Wels: Traditionsverbände erinnern an die Gefallenen beider Weltkriege
Am Allerseelentag haben Traditionsverbände in der Sigmarkapelle in Wels der Gefallenen beider Weltkriege gedacht. Der Bund ehemalige 4er Dragoner, das Traditionscorps Hessenbund IR14 Wels und die k.u.k. Leibgarde aus Bad Ischl legten dort gemeinsam einen Kranz nieder.
An der Gedenkfeier nahmen Pater Johannes, Oberst in Ruhe Alexander Barthou, Stadtrat Stefan Ganzert und Gemeinderat Ludwig Vogl teil. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung vom Traditionscorps Hessenbund IR 14 Wels unter dem Kommando von Major i.TR. Maximilian Neundlinger.
Gedenken an die gefallenen Söhne
Die Feier erinnerte an die gefallenen Söhne der beiden Weltkriege. Der Bund der ehemaligen 4er Dragoner und die k.u.k. Leibgarde aus Bad Ischl wirkten an der Veranstaltung mit. Militärkurat MMag. Pater Jakob Stoiber zelebrierte die Festandacht.
Als Ehrengäste wurden Gemeinderat Ludwig Vogl und Oberst i.R. Alexander Barthou begrüßt. Auf dem Foto sind die Fahnenabordnung des Traditionscorps Hessenbund IR 14 Wels, Maximilian Neundlinger, Ludwig Vogl und Alexander Barthou zu sehen.
Erinnerung braucht Wiederholung
Der Österreichische Kameradschaftsbund misst dem jährlichen Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt durch Gedenkfeiern und Kranzniederlegungen große gesellschaftliche Bedeutung bei. Mit zunehmendem zeitlichem Abstand verblassen persönliche Erinnerungen, Zeitzeugen werden weniger. Gemeinsames Gedenken hält die Schicksale und Namen der Opfer im kollektiven Bewusstsein.
Soldatengräber sowie Krieger- und Gefallenendenkmale geben den Opfern Namen, Identität und eine bleibende Botschaft: „Den Toten zum Gedenken – den Lebenden zur Erinnerung – den Kommenden zur Mahnung“. Die Kranzniederlegung steht dabei für Respekt, menschliche Würde und die Anerkennung des erlittenen Leids. Gedenkfeiern machen sichtbar, dass jedes Menschenleben wertvoll ist und die Opfer Teil der gemeinsamen Geschichte bleiben.
Der Erste Weltkrieg begann am 28. Juli 1914 mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien und endete am 11. November 1918 mit dem Waffenstillstand von Compiègne. Weltweit starben etwa 9 Millionen Militärpersonen und rund 6 Millionen Zivilisten. Österreich-Ungarn verlor etwa 1,46 Millionen Soldaten, dazu kamen rund 400.000 zivile Tote.
Der Zweite Weltkrieg begann in Europa am 1. September 1939. Die Kapitulation Japans erfolgte am 2. September 1945. Je nach Definition wird die Zahl der direkten Kriegstoten auf 60 bis 65 Millionen geschätzt; unter Einbeziehung von Massenverbrechen und Kriegsfolgen sind es bis zu 80 Millionen. Für Österreich werden etwa 247.000 Militärtote genannt, mindestens 120.000 Tote in Haft, Konzentrationslagern und durch Euthanasieprogramme sowie etwa 25.000 bis 30.000 zivile Tote durch Luftangriffe und Kampfhandlungen.
Auftrag für Gegenwart und Zukunft
Die Erinnerung soll helfen, aus der Vergangenheit zu lernen. Kriege und Gewalttaten entwickeln sich häufig aus Intoleranz, Hass, Ausgrenzung, Machtmissbrauch oder dem Versagen demokratischer Strukturen. Das Gedenken stärkt das Bewusstsein für Frieden, Freiheit, Menschenrechte, Sicherheit, Solidarität, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit – und wird damit zum Auftrag für Gegenwart und Zukunft.
Gemeinsame Veranstaltungen bringen Menschen verschiedener Generationen, Herkunft und Überzeugungen zusammen. Sie fördern gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Verantwortung für ein friedliches Miteinander. Für junge Menschen haben solche Feiern auch eine Bildungsfunktion: Historische Ereignisse und die Folgen von Krieg und Gewalt werden vermittelt, historisches Bewusstsein sowie das Engagement für Frieden, Freiheit, Sicherheit, Toleranz und Menschlichkeit sollen wachsen.
Ein einmaliges Gedenken schafft Aufmerksamkeit, regelmäßige Gedenkfeiern verankern die Erinnerung im öffentlichen Leben. Die jährliche Wiederholung macht die Verantwortung gegenüber den Opfern und die Verpflichtung zum Frieden als dauerhafte Aufgaben sichtbar. Eine Gedenkfeier mit Kranzniederlegung ist damit mehr als ein symbolischer Akt: Sie bewahrt Erinnerung, würdigt Leid, vermittelt historische Verantwortung und stärkt demokratische Werte.
Opfergräber und Kriegerdenkmale können Orientierung für Frieden, Freiheit, Sicherheit, Menschlichkeit und Solidarität geben. Ihre Anlagen zu pflegen und ihre Bedeutung zu bewahren, soll auch zur Versöhnung zwischen den Völkern beitragen. Der ÖKB dankt allen, die an gewaltsam ums Leben gekommene Angehörige sowie an im friedenserhaltenden oder humanitären Einsatz getötete Bundesheerangehörige und Mitglieder von Hilfs-, Rettungs- und Exekutivorganisationen erinnern.
Verfasst wurde der Beitrag zur Bedeutung des traditionellen Erinnerns und Gedenkens von OAR Alwin Denz, Oberst und ÖKB-Vizepräsident.
